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Formate des Dialogs

Meta:
Status: archived
Aspects: equality
Team: Luise Menz Sophie Pischel Lena Würsching
Semester: I_21 BA
Description:

FORMATE DES DIALOGS

Luise Menz, Sophie Pischel und Lena Würsching

In unserem Projekt Formate des Dialogs setzen wir uns seit Oktober 2019 mit den Gegeben­heiten für Menschen mit Flucht- und/oder Migrations­erfahrung im deutschen Gesundheits­system auseinander. Dabei steht insbesondere die frauen*­gesund­heitliche Versorgung in unserem Fokus. Mit aktuellen und künftigen Formaten möchten wir Bedürfnisse und Hindernisse thematisieren und einen Dialog fördern zwischen Betroffenen und Akteur_innen sowie der Öffentlichkeit. 

Seit Projektbeginn haben wir uns einen Überblick zu der Thematik verschafft, unsere Rolle als Gestalterinnen und unser Designverständnis beleuchtet und den Austausch mit verschiedenen Akteuerinnen gesucht. Dabei sind erste Formate entstanden: Die Publikation Power statt Aua in limitierter, gedruckter Auflage. Mit ihr richten wir uns an Akteur­innen und möchten einen Über­blick über die komplexe Thematik der frauen*­gesundheit­lichen Versorgung von Menschen mit Flucht- und/oder Migrations­erfahrung ermöglichen, Zusammenhänge verdeut­lichen, Inspiration geben und Ressourcen teilen. Neben der thematischen Einführung beinhaltet sie eine Darstellung unseres internen Prozesses, drei Interviews mit Akteur_innen, ein Glossar sowie eine Liste an Materialien und Links.

Im November 2020 durften wir unser Projekt bei einer Paneldiskussion zum Thema „Forms of Radical Healthcare“ im Badischen Kunstverein vorstellen. Anfang 2020 veröffentlichten wir zudem eine Online-Version der Sammlung themenbezogener Informationen, Materialien und Tools für Akteur_innen. 

Rahmen des Projekts waren stetig zwei Themenbereiche: Zum einen die Auseinandersetzung mit der frauen\*gesundheitlichen Versorgung von Menschen mit Flucht- und/oder Migrationserfahrung in einer Form der Recherche- und Informationsarbeit, zum anderen Überlegungen zu unserer Rolle als Gestalterinnen innerhalb der Thematik bzw. in sozialen und politischen Kontexten. So waren für uns auch während der letzten Monate unterschiedliche Themen wichtig: 

Um die Recherche weiter zu vertiefen, haben wir uns für das Abschlusssemester einen thematischen Schwerpunkt auf Selbstbestimmung gesetzt. Das selbstbestimmte Handeln ist unserer Ansicht nach die wichtigste Voraussetzung für ein gewaltfreies Leben und Inklusion. Gleichzeitig werden Menschen mit Flucht- und/oder Migrationserfahrung per Gesetz fremdbestimmt. Sie sind zudem struktureller Benachteiligung ausgesetzt und auch auf institutioneller Ebene wird mehrheitlich über sie geredet und bestimmt. Das betrifft insbesondere die gesundheitliche Versorgung, weil Menschen mit Flucht- und/oder Migrationserfahrung nicht grundlegend Zugang zu medizinischer und psychologischer Behandlung haben. Frauengesundheit hat für uns außerdem eine besondere Relevanz, da Frauen und weiblich gelesene Personen häufig genderspezifischer Gewalt und Benachteiligungen ausgesetzt sind. Körperliche Selbstbestimmung bedeutet in erster Linie auch Sicherheit. 

Neben der thematischen Weiterentwicklung geht es uns darum, weitere Formate umzusetzen, die bestehenden weiterzuentwickeln und unser Wissen zu teilen. Mit Blick auf unseren Studienabschluss, war ein weiterer Themenbereich die Arbeitsrealität, die uns erwartet. Wir wollen eine berufliche Praxis entwickeln, in der wir eine ähnliche Herangehensweise weiter verfolgen können. Dabei haben uns vor allem Arbeitskonzepte interessiert, durch die es möglich ist sich nicht finanziell, zeitlich oder emotional auszubeuten. Hinsichtlich der Dynamik innerhalb unserer Gruppe nahmen wir uns auch vor, zu dritt darüber zu sprechen, welche Arbeitsstrukturen und Umgangsweisen wir uns wünschen aber auch was uns Sorgen macht oder belastet.

Letztendlich haben wir uns stark auf die Entwicklung von drei verschiedenen Formaten fokussiert: Durch einen Open-Call der Burg Galerie im Volkspark zum Thema „Risiko“ gestalteten wir in Kooperation mit der Break Isolation Group einen Ausstellungsbeitrag zum Thema „Gesundheit, ein Recht für Alle?”. Zum Anlass der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt führten wir gemeinsam mit dem Medinetz Halle/Saale e.V. eine Kampagne durch, die eine Sicherung der gesundheitlichen Versorgung für Menschen ohne Krankenversicherung fordert. Außerdem begleitetet wir die Teilnehmerinnen des Projekts Frauenwelten der Freiwilligenagentur Halle Saalkreis e.V. bei der Entwicklung einer Ausstellung mit persönlichen Geschichten.

Die direkte Verbindung dieser drei Formate zu unserer Ausgangsfrage der frauen\*gesundheitlichen Versorgung, mag auf den ersten Blick nicht eindeutig sein. Unsere Recherche hat gezeigt, dass die komplexe Thematik auf verschiedenen Ebenen betrachtet werden kann: Auf rechtlicher, persönlicher, institutioneller, gesellschaftlicher, kommunikativer oder organisatorischer Ebene. Die Ursprünge der Missstände, die für Menschen mit Flucht- und/oder Migrationserfahrung bestehen, insbesondere aus rechtlicher, institutioneller und gesellschaftlicher Sicht, sind mit strukturell rassistischen Benachteiligungen zu begründen. Die Entwicklung

von Formaten basiert deshalb auf einer Haltung gegen diese Benachteiligungen und für Selbstbestimmung und Inklusion.

Links:
Files:
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